Dienstag, 20. November 2018

Der 4. Dromos Athanaton 26./27.10.2018


"Straße der Unsterblichen"

142 Kilometer, + 2455m, - 3120m (Höhenmeter nach dem GPS meiner Uhr).
Die Strecke, wie sie von meiner GPS-Uhr aufgezeichnet wurde.
Das Streckenprofil, wie es von meiner GPS-Uhr aufgezeichnet wurde.

offizielles Werbefoto

https://www.immortalsrace.com/

Am 26.10.2018 um 19 Uhr startete zum vierten Mal in Folge der "Dromos Athanaton" / "Αγώνας Αθανάτων" der "Straße der Unsterblichen" - Ultralauf. 
Die Strecke: Tripoli - Sparta - Mystras - Kalamata. 
"Entdecken Sie die unsterblichen griechischen Helden auf ihren Spuren" ist das Motto der Veranstaltung, die dieses Jahr aufgewertet wurde, da sie als Kriterium für die Teilnahme am Spartathlon aufgenommen wurde. 
Der Lauf bringt Helden aus unterschiedlichen Epochen der griechischen Geschichte, an deren Statuen die Athleten vorbeigeführt werden, in Verbindung: Die Statuen von General Theodoros Kolokotronis in Tripoli, König Leonidas in Sparta, des letzten byzantinischen Kaisers Konstantinos Palaiologos in Mystras und die Statue des Sieges, mit den Figuren von Gregorios Dikaios (Papaflessas) und Theodoros Kolokotronis auf dem zentralen Platz von Kalamata. Dieses Jahr wurde auf der Medaille auch Despina Achladioti (Achladiotou), bekannt als "Lady of Ro", besonders geehrt. 
offizielles Werbebild

Die Route verläuft  neben und über das Taygetos-Gebirge. Die Route Tripoli-Sparta verläuft parallel zum Kamm des Gebirges und durch die Dörfer im Norden der Berge. Die komplette Strecke ist sehr gut asphaltiert. Das Zeitlimit für diese 142 Kilometer beträgt 24 Stunden. An drei Versorgungspunkten (bei Kilometer 37, 80 und 106,7) muss man innerhalb der cut-off-Zeiten sein. Es gibt 27 Versorgungspunkte (VP) auf der Strecke. Dazu Versorgung am Start und im Ziel.


Die Veranstaltung wird von der Aristoteles-Universität von Thessaloniki organisiert.  Der Verband der Sportler der Region Peloponnes, die Gemeinden von Tripoli, Sparta, Mystras und Kalamata, die Sportorganisationen der Gemeinden von Kalamata, der Sparta Lauf Club "Spartan Runners", der Verband der "Health Juniors von Messinia & Spartiot Dramers" tragen das Ganze, unter der technischen Anleitung von API Apollo West Attiki.
Des weiteren beteiligt:  
- Α.Ε.Κ. of Tripolis
- Tripolis Runners
- Αrkadia Runners
- Papari Club
- Skortsinos Club
- Loganikos Club
- Georgitsi Club
- Kastoreion Club
- Alevrou Club
- Lousina Club
- Vordonia Club

- Karavas Club
- Afyssou Club
- Κallisthenis
- Hellenic Triathlon Club of Plataies 'Euchidas'


...unglaublich viele ehrenamtliche HelferInnen, wirklich jeden Alters, überall an der Strecke! Diese HelferInnen haben sich die ganze - zum Teil sehr, sehr kalte - Nacht um die Ohren geschlagen, damit auch für die Letzten noch eine optimale und gleichbehandelte Versorgung sichergestellt war. 


102 Männer und 3 Frauen hatten sich für den Lauf angemeldet. 80 Männer und 2 Frauen nahmen das Rennen schließlich auf. Internationale Beteiligung: Zwei Zyprioten, ein Pole, ein Brite, ein Italiener, ein Deutscher. Leider erreichte (anders als in den Vorjahren) dieses Jahr keine Frau das Ziel. Auch nur 64 Männer finishten, was einem kleinen Negativrekord entspricht.  

Ich zog vor gut einem Jahr Erkundigen zu diesem Lauf beim bisher einzigen deutschen Starter ein, der just vor einem Jahr dort gleich mal Zweiter wurde und dabei auch noch den bisherigen Streckenrekord egalisierte. Michael Vanicek "Vanni" ist in Ultrakreisen ja wahrlich kein Unbekannter … . Vanni wusste nur Gutes über diesen Lauf zu berichten und so sah ich es als einen Wink des Schicksals an, dass ich in diesem Jahr genau zu diesem Zeitpunkt Urlaub nehmen musste.  Dies gleich mal vorweg: Meine Frau (als meine Supporterin) und ich können uns Vannis Urteil nur vollumfänglich anschließen. Eine wirklich phantastische Laufstrecke, in herrlicher Umgebung. Eine Veranstaltung, die mit sehr viel Herzblut und Leidenschaft perfekt organisiert ist. Dazu das fast unglaubliche Preis-Leistungsverhältnis! Aber nun der Reihe nach. 
Ab dem ersten Mailaustausch mit dem Chief-Organisator Pavlos Goranitis entwickelte sich das für uns bereits bekannte und sehr geschätzte, sehr herzliche Verhältnis, was zwischenmenschliche Kontakte zu Griechen für uns so wertvoll und unvergleichlich macht. 
Chief Organisator Pavlos Goranitis (mit Mikrofon).

Bei der Startnummernausgabe erhält jeder Starter bereits ein sehr schönes Erinnerungs-T-Shirt und eine ebenso schöne Erinnerungs-Tasse. Es gibt sogar ein wunderschönes, eigenes Supporter-T-Shirt. Alles für 60,- Euro Startgebühr und keinerlei Zusatzgebühr für Supporter!! Die Supporter dürfen auch das gesamte Angebot an den 27 VP`s kostenlos mit nutzen und sich auch vor dem Start bei der Nudelparty an der Startnummernausgabe erst einmal noch richtig stärken.

Der Lauf startete bisher immer ein bis zwei Tage vor dem Tag, oder an dem Tag selbst, der einer der zwei griechischen Nationalfeiertage ist, dem OCHI-  (OXI-) = Nein -Tag.   Aus Wikipedia: […]Der Ochi-Tag wird jährlich in ganz Griechenland am 28. Oktober gefeiert und erinnert an die Ablehnung des von Benito Mussolini am 28. Oktober 1940 an Griechenland gestellten Ultimatums vor dem Beginn des Griechisch-Italienischen Krieges.[…]  Aus der "Griechenland Zeitung" Ausgabe Nr. 650, vom 31.10.2018: […]Der Ochi-Tag gilt als eine Absage an jegliche Form von Faschismus und Fremdherrschaft.[...]

Bereits in den Tagen zuvor spürt man im ganzen Land die Festtagsstimmung. Das ganze Land ist - noch viel mehr, als ohnehin schon immer üblich - in ein einziges blau-weißes Fahnenmeer getaucht.
Und so findet auch dieser Lauf in einer von voller Stolz auf die Vorfahren und die eigene Geschichte getragenen Stimmung seinen Anfang in Tripoli. Feierliche Reden werden von mehreren geladenen Ehrengästen gehalten, eine Musikkapelle spielt auf ... . Meine Frau und mich packen solche feierlichen Momente in Griechenland auch immer ganz besonders.
Nach allerhand Foto- und auch Filmaufnahmen, samt Interviews einiger StarterInnen, ging es dann mit leichter Verzögerung um 19:03 Uhr los. 
Die Statue von General Theodoros Kolokotronis in Tripoli.

Die Musikkapelle ist im Hintergrund zu sehen.
...ready to go!

Wie nicht anders zu erwarten war, verließen wir den festlich geschmückten Platz und kurz darauf ganz Tripoli in der letzten Helligkeit des Tages. Die komplette Dunkelheit der Nacht bricht zu dieser Jahreszeit fast überganslos über Griechenland herein. Es war die zweite Nacht nach Vollmond, also eine fast-noch-Vollmondnacht und darauf freute ich mich nun sehr, hatte ich doch vor Jahren bereits ein Interview von Stu Thoms zu seinem Spartathlon-Sieg 2012 gelesen, in dem er genau darauf, also auf die geradezu magischen Momente in so einer Vollmond-Ultra-Nacht einging. Seitdem hoffte ich einmal selbst so etwas zu erleben - natürlich möglichst in Griechenland! Genauer: In Griechenlands Bergwelt, versteht sich … .
Es war klar, dass alle den größten Teil der Zeit in der Dunkelheit der Nacht, nur aufgehellt durch - hier und da - Laternen, Stirnlampe und eben (...bei gutem Wetter) im Schein eines (Fast-) Vollmondes auf der Strecke zubringen würden. So hoffte wohl nicht nur ich auf eine möglichst klare Nacht. Dadurch, dass meine Frau und ich die gesamte Strecke in den Tagen davor bei Tageslicht abgefahren sind, störte mich die Aussicht den größten Teil der Strecke ohne Tageslicht zu laufen nicht. Den Abschnitt mit der längsten, fast durchgehenden Steigung bin ich von Mystras aus (Kilometer 85,7 mit +280m) bis zum höchsten Punkt des Laufs (Kilometer 106,7 mit +1285m) in zwei Etappen am Montag und Dienstag abgelaufen. Erstens, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Zweitens, mit dem Ziel mir gerade auch diesen - meiner Meinung nach entscheidenden Teil der Strecke -  bei bestem Tageslicht im Kopf abzuspeichern und drittens, diese wunderschönen Eindrücke, zusätzlich zu den phantastischen Eindrücken an gleicher Stelle dann bei (Fast-) Vollmond zur zusätzlichen Motivation im Rennen abrufen zu können. Das alles ging dann auch wunderbar auf und so genoss ich gerade auch diesen Abschnitt im Rennen sehr, obwohl er sicherlich DIE Härteprüfung überhaupt war.
Zurück zu den ersten Kilometern. 
Die ersten 12,13 Kilometer lief ich in einer Gruppe von vielleicht sieben Läufern und eine Läuferin. Zwei in der Gruppe hatten ihre Stirnlampen an, dies hielten wir andern offenbar unisono für ausreichend, bis die einzige Frau in der Gruppe sich am Straßenrand vertrat, so ins Straucheln geriet und schließlich stürzte. Sofort stoppte die ganze Gruppe. Samariter-Effekt: Wir überschlugen uns geradezu in Hilfsbereitschaft. Die Frau signalisierte aber umgehend, nix passiert und lief sofort wieder an. Auch der Rest der Gruppe setzte sich umgehend wieder in Bewegung, nach diesem Schreck jetzt allerdings alle mit eingeschalteter Stirnlampe.

Bis zum vierten VP, der bei Kilometer 19,3 liegt, läuft man an der großen Ausfallstraße Richtung Megalopoli. Dabei geht es die ganze Zeit sanft bergan und kurz vor dem VP fast ebenso sanft wieder bergab. 
Fotos von den ersten 20 bis 30 Kilometern.
Einer der ersten Versorgungspunkte.

Fast im identischen "Auf und Ab" erreicht man den ersten größeren VP (mit mehr Versorgung und erster offizieller Zwischenzeitmessung) bei Kilometer 37. Ich wurde hier als 31. registriert. Gesamtzeit: 4:03:10 Stunden. 
Beim VP Kilometer 37,
an der Quelle des Evrotas (im Hintergrund zu sehen).

Der VP bei Kilometer 37.


Bis hierhin hatte ich immer andere Läufer im Sichtbereich. Die Griechen sind auch beim Ultralaufen gesellige Menschen und so liefen viele von Anfang an oder doch zumindest anfangs zu zweit oder in kleineren Gruppen. 


Von Kilometer 37 bis 52 sind dann auch fast 500 positive Höhenmeter zu erlaufen. Es geht nun stetig bergan, steiler als bis dahin. Für mich war das aber immer noch sehr gut laufend zu bewältigen, woran der durchgängig sehr gute Asphalt einen großen Anteil hat.
Markierungen für den Lauf (Fotos vom Abfahren der Strecke).
Die Markierungen waren immer eindeutig zu erkennen
und auch in der Nacht leicht zu finden.
In fünf Kilometer-Schritten wurden auch die bereits
zurück gelegten Kilometer auf dem Asphalt gemalt.


Immer deutlicher traten nun auch die Sternenbilder und der Mond hervor und tauchten so, in dieser wirklich wundervollen, sternenklaren Nacht, die gesamte Landschaft in ein phantastisch anmutendes Licht. Je höher man kam, umso schöner wurde es. Ich hatte das Gefühl, den Sternen entgegen zu laufen. Sternenläufer … so fühlte sich das für mich an, mit einem Wort: Großartig! Gleichzeitig die immer atemberaubende Sicht in das mindestens ebenso schön durch Menschenhand beleuchtete Tal. Ich saugte immer mehr der Magie dieser Fast-Vollmondnacht auf.

VP Km 52, auf 839 Höhenmeter
Lagerfeuerromantik überall dort, 
wo die VP`s  auf der freien Strecke eingerichtet waren.

Inzwischen treffe ich immer seltener auf andere Läufer. Etwa ab Kilometer 25 wurde ich nicht mehr überholt und das wird auch bis ins Ziel so bleiben, aber dass wusste ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht. Ebenso wenig, wie sehr mein Plan für das Rennen - bewusst sehr verhalten angehen und dann ca. drei Kilometer hinter Mystras "den Hammer auszupacken" - aufgehen würde. 

Hinter dem ersten langen Anstieg, der bei Kilometer 52 endet, geht es bis nach Sparta (Kilometer 80) mehrheitlich bergab, jedoch immer wieder unterbrochen von einigen mittleren Anstiegen, was Länge und Härte der Anstiege betrifft. Man sollte sich von dem vom Veranstalter zur Verfügung gestellten Streckenprofil da nicht täuschen lassen! Denn: Geht es von einem VP bis zu dem Nächsten - insgesamt - bergab, so wird das auf dem Diagramm auch so dargestellt, unabhängig davon wie viele kleine, fiese Steigungen dennoch auf diesem Teilstück auf einen lauern. 

Die Versorgungspunkte waren so verschieden und individuell, wie die jeweiligen freiwilligen Helfer. Wasser, Cola und Isogetränke gab es im Prinzip überall. Dazu kam aber auch immer wieder irgend etwas eher Überraschendes. In Kastori (VP 13, Kilometer 60) gab es z.B. heiße Kastanien, sehr zur Freude meiner Frau. 
… VP mit Sofa ...

Am VP 14, Kilometer 66,3 (in Vordonia) ist auch eine Frau, die offenbar total begeistert ist, von dem was sie hier in der Nacht miterleben kann. "Willkommen, willkommen! Woher kommst du?" So begrüßt sie jeden und ist überrascht und zugleich offenbar auch hoch erfreut zu hören, dass ich aus Deutschland, aus Berlin komme. Hoch emotional setzt sie allen Läufern und so auch mir einen Olivenkranz auf. Ich bin ganz überrascht, geradezu verdattert. Ich weiß gar nicht wie ich darauf reagieren soll, bedanke mich herzlich und trage den Olivenkranz dann stolz bis weit hinter Sparta. Später gebe ich ihn Natascha, zum Aufbewahren und er reist dann auch mit zurück in die Heimat. So kommt es auch dazu, dass ich Leonidas diesmal bereits mit einem Olivenkranz auf dem Kopf erreiche, was ich irgendwie total lustig finde, bekommen doch sonst nur Finisher im Ziel einen Olivenkranz aufgesetzt, gerade eben auch beim Spartathlon, aber auch beim Olympian Race, oder beim Euchidios Athlos.

Dann … endlich … SPARTA … und damit DER König - Leonidas, der Erste! 
DER König!
Erhaben, beeindruckend - so wacht er über Sparta - Sparti!
…diesmal erst 80, statt 246 Kilometer...aber noch 62 Kilometer vor mir...
...bei der Audienz…
"DER" Fuß war diesmal für mich tabu.
...es war ja kein Spartathlon...

Wer den Spartathlon schon gefinisht hat, wird sich über den leicht anderen Weg in Sparta zum König vielleicht etwas wundern. Gänsehaut bekommt an dieser Stelle im Rennen wohl jeder, ob bereits mit Spartathlon-Happy End auf der Habenseite, oder nicht. 
Man kommt aus einer - im Vergleich - weniger beleuchteten Seitenstraße auf den zentralen Platz mit der Statue des Königs. Ich traf um 4:34 Uhr beim König ein (Gesamtzeit: 9:31:30h, Platz 22). Es war auch für meine Frau und mich, mit bisher zweifachem Spartathlon-Erfolg, ein tolles und ungewohntes Gefühl, dem König in einem anderen Rennen und dann dort auch noch - sozusagen -  "zwischendurch" unsere Aufwartung machen zu können. Direkt am König (dort wo sonst den SP-FinisherIn von Freiwilligen die Füße gewaschen werden), hatten die Mitglieder des Runners-Club "Spartan Runners" ihren VP eingerichtet. 

Der VP in Sparta. Im Hintergrund zu erkennen: Die Massagebank.


Hier gab es erneut, wie bereits am VP bei Kilometer 60 und später noch, am höchsten Punkt der Strecke, heiße Suppe, dazu Nudeln und noch allerlei Weiteres zur Stärkung. Nudeln gab es sogar an 6 VP`s! Auch die Möglichkeit der Massage bestand hier. Ich nutzte das Massageangebot, nach nur kurzem Zögern. Bis hierhin hatte ich es geschafft meine *Aufenthaltszeiten (bei Interesse: ganz am Ende noch was dazu) an den VP`s auf das absolute Minimum zu beschränken, was - in diesem Ausmaß - bei solch einem langen Lauf neu für mich war und worauf ich daher hier nun auch bereits ein wenig stolz war. Kurz kämpften daher zwei Überlegungen gegeneinander in mir: 

- Durch die Massage mehr Zeit verlieren und auch aus meinem - bis da hin - super Laufrhythmus kommen, dafür aber mit wieder deutlich lockerer Muskulatur die wirkliche Herausforderung bei diesem Lauf  (ab Mystras) angehen und dadurch letztlich vielleicht die so "verlorene" Zeit wieder gut machen? 

...o
der aber: 

- Mit der bereits zu spürenden beginnenden Muskelverhärtung weitermachen und damit das Risiko erhöhen, dass die Beinmuskulatur eventuell - weit vor dem Ziel - "zumacht"?  

Letztlich gab wieder einmal der Rat meiner Frau den Ausschlag, denn ich konnte mich einfach nicht entscheiden. Dem Rat meiner Frau auch bei solch langen Läufen zu folgen, erwies sich mindestens im Nachhinein bisher IMMER als die absolut richtige Entscheidung. Meine Frau sieht und weiß einfach immer, was gerade gut für mich wäre. Genau das macht sie auch zu meiner perfekten Supporterin! Kein Hadern, kein Zögern, kein Bemitleiden - "einfach nur" die optimale Betreuung - von vor dem Start, bis weit nach Zielschluss - eben wie im "richtigen" Leben! 

Ich zögerte mit der Massage auch, da ich Sorge hatte, in der Zeit der Massage total auszukühlen. Extremes Auskühlen bei solchen Läufen geht bei mir immer ganz schnell. 
Zum Glück ließ der Masseur sich nach kurzer Erklärung darauf ein, die Massage über meiner Kompressionshose durchzuführen. Erst, als er zur Massage ansetzte, wurde mir klar, wie sehr meine Oberschenkelmuskulatur schon strapaziert war. Die ersten Minuten auf der Massagebank waren die Hölle. Wiederholt musste ich den Masseur bitten, weniger doll zu massieren. Ich kam mir dabei vor wie eine Memme. Dann war die Massage vorbei und ich wollte zum Abschluss wieder meine fünf, sechs Kniebeugen machen. Eine Übung, die ich mir abgeschaut habe. Sie hilft auch mir inzwischen sehr bei wirklich langen Läufen, möglichst lange locker in der Muskulatur zu bleiben. Ich fange damit in der Regel nach ca. 80 bis 90 Kilometer an und wiederhole ab da diese Übung alle 20 bis 30 Kilometer. Normalerweise hält Natascha dabei meine Hände, um das Gleichgewicht besser halten zu können. Diesmal bat ich den Masseur. Der Masseur sieht wie ich "runter" und gleich wieder "hoch" gehe und unterbricht mich sofort. Der Masseur besteht darauf, dass ich "unten" bleibe, sehr tief und seeeehr lange unten bleibe ... . Selbst meine Frau, die das Ganze beobachtete, kam es wie eine kleine Ewigkeit vor, bis der Masseur mich wieder hochkommen ließ. Diese Übung zum Abschluss … ich fühlte mich kurzzeitig ziemlich fertig, aber dieser Masseur wusste genau, was er da tat. 

Das Anlaufen nach dieser Pause, nach dieser freiwilligen, zusätzlichen Tortur, gestaltete sich erwartungsgemäß schwierig. Ich habe Geduld mit mir, mit meinem Körper, vor allem mit meinen Beinen. Ich weiß, es wird besser, Schritt für Schritt, von Minute zu Minute. Nach drei, vier Minuten ist es dann soweit. Die "Investition" beginnt sich auszuzahlen. Ich kann Schritt für Schritt lockerer laufen und nach weiteren zwei, drei Minuten ist es fast, als wäre ich gerade erst losgelaufen, jedenfalls soweit es meine Beinmuskulatur betrifft ... GEIL!!! ... Stoßgebet des Dankes, in Richtung des Masseurs ... UND meiner Supporterin …

Bereits ab dem Ausgang von Sparta befindet man sich dann auf dem nun fast ununterbrochen ansteigenden Weg, bis zum höchsten Punkt der Strecke, bei Kilometer 106,7. Die 5,7 Kilometer, vom VP in Sparta bis zum nächsten VP im Zentrum Mystras, steigen nur ganz moderat an, ziehen sich aber ziemlich, durch die in diesem Bereich fast schnurgerade Straße, wie schon zuvor der Teilabschnitt von etwa Kilometer 67 bis 80 (Sparta). 
Im Nachhinein  muss ich jedoch feststellen: Einen besseren Streckenverlauf könnte ICH mir kaum wünschen. Im Prinzip, d.h. wenn man diesen Lauf mit Köpfchen an geht, kann man den genau SO laufen, wie ich es vor kurzem irgendwo (ich glaube auch wieder als Zitat von Stu Thoms) gelesen habe, was die richtige Einteilung bei einen 24 Stundenlauf angeht. "Die erste Hälfte ist dann eigentlich langweilig. Man spürt zwar, dass man bereits etwas getan hat, ist aber immer noch weit, weit entfernt, von jedem Anzeichen der Erschöpfung." Genau so fühlte ich mich bei der Ankunft in Mystras, quasi "gut eingelaufen" und damit bereit für die ganz große Herausforderung, bei diesem Lauf. Bereit UND locker, vor allem wohl auch dank der Massage, zum perfekten Zeitpunkt! Die "Spartan Runners" wissen eben, was Ultras zu diesem Zeitpunkt in so einem Rennen brauchen!  
Der VP in Mystras, direkt vor unserem Hotel vom Anfang der Woche.
Laufrichtung nach dem VP. Im Hintergrund (angestrahlt) bereits zu erkennen: 
Die Statue des letzten byzantinischen Kaisers, 
Konstantinos Palaiologos.

Dann, direkt am Ortsausgang von Mystras, geht`s los…es folgen ca. drei Kilometer, die fast komplett so steil sind, dass selbst das Gehen im schnellen Tempo einem alles abverlangen - zumindest nach bereits zurück gelegten 85 Kilometern, mit etlichen Höhenmetern. 
Blick auf Sparta, vom VP 19 - Kilometer 89,5

Am Anfang der Woche bin ich direkt von Mystras aus in diesen Anstieg gestartet. Aus den dabei gewonnenen Erkenntnissen heraus entschied ich da bereits im Rennen diese ca. drei Kilometer überwiegend zu gehen, denn es war für mich völlig klar, dass ich genau hier mein Rennen andernfalls selbst zerstören würde. Ich denke, hier werden auch alle anderen gegangen sein, bis (vielleicht) auf die ersten Drei. Nach diesen ca. drei extremsten Kilometern im gesamten Rennen kommen dann ca. drei eher flache Kilometer, hier und da mit ganz leichtem Gefälle. Dann, ab ca. Kilometer 91, geht es nur noch bergan, durchgängig bis Kilometer 106,7. Hier folgt nun Serpentine auf Serpentine. 
Fotos vom Ablaufen der Strecke, am Anfang der Woche.

Immer höher schraubte ich mich sich so und die Nacht wollte einfach nicht weichen. Es war dennoch wunderschön hier, denn ich hatte ja beides! Die noch ganz frischen Erinnerungen vom Ablaufen bei Tageslicht und nun diese absolut überwältigenden Eindrücke in dieser (Fast-)Vollmondnacht. Selbst die Kälte der Nacht, vor allem in den höheren Regionen, konnte mir diesmal nichts anhaben - ein großer Vorteil, wenn man nur sehr kurze Pausen macht.
Auch immer weniger Gedanken durchströmten mein Hirn - ein weiterer Vorteil, wenn man immer nur ganz kurz das Laufen für das absolut Notwenige unterbricht. Fragen wie z.B.: "Wie weit ist es noch bis zum nächsten VP?" ; "Wie weit noch, bis ich ganz oben bin?" ; "Wie lange noch, bis ich die Stirnlampe nicht mehr benötige?" … tangierten mich immer weniger. Ich war so komplett bei mir, mit mir und allem was mich umgab so sehr im Reinen, wie noch nie in einem Lauf. Alles war "im Fluss", war einfach nur perfekt und so lief es bei mir auch! 
Wenn ich in dieser Zeit überhaupt irgendetwas bewusst dachte, dann immer nur, wie absolut phantastisch alles war, was mich hier umgab und wie überaus glücklich ich bin und meinem Schicksal dankbar war, dass ich genau jetzt genau hier sein konnte und tun konnte, was ich gerade tat.  
Es folgen weitere Fotos vom Anfang der Woche. 
Als ich im Rennen hier lang kam, war es noch dunkel.


Erst etwa bei Kilometer 97, gegen 7:30 Uhr, konnte ich dauerhaft auf das Licht der Stirnlampe verzichten. Über 12 Stunden und damit über 2/3 des Laufs ohne ausreichend Tageslicht… ich hatte mich darauf eingestellt, stellte das für mich Positive dabei in den Vordergrund (Laufen bei Fast-Vollmond). 

Der Lauf wurde erstmals um 19 Uhr gestartet. Bis zum vergangenen Jahr startete man um 14 Uhr. Für 2019, zur 5. Auflage, soll es eine Umfrage zur Startzeit geben. 14, 17 und 19 Uhr sollen dann zur Auswahl stehen. 
Fotos von dem - landschaftlich - am beeindruckendsten Abschnitt
 im gesamten Rennen.
Auch diese Fotos entstanden in den Tagen davor. 
Als ich im Rennen hier lang kam, konnte ich erst seit wenigen Minuten 
auf das Licht der Stirnlampe verzichten - was für ein Glück, 
was für ein optisch zusätzlicher Gewinn, im Rennen!
Ein anderer Läufer, später in diesem Bereich (Foto vom Veranstalter).
Ein weiterer Läufer, später in diesem Bereich
(Foto vom Veranstalter).


Ich übergab meine Stirnlampe an Natascha am VP 21, bei Kilometer 100,7. Natascha war hier noch in absoluter Dunkelheit, bei immer noch großer Kälte eingetroffen und wartete nun auf mich, bei ..."den coolsten Jungs der Nacht", wie sie hinterher meinte. Die "Jungs" an diesem VP waren offenbar selbst Ausdauersportler. Mountainbiker und Duathlon-Athleten. Diese Jungs waren wohl extrem gut drauf. Auch ich spürte das sofort, bei meinem auch hier wieder nur sehr kurzen Aufenthalt. Beeindruckt war Natascha auch vom Improvisationstalent dieser Sportler. Diese hatten zur Beleuchtung ihres VP-Stands eine Lichterkette gespannt, mit An- und Ausschalter, die über ihr Autobatterie gespeist wurde. Diese Lichterketter wurde immer nur angeschaltet, wenn sich ein Läufer dem VP näherte bzw. so lange er da verweilte - um die Autobatterie zu schonen.  
...gut zu Erkennen: Die Lichterkette.
…der Club dieser Helfer.. 
...und wieder ein Lagerfeuer. 
...gleiche Stelle, in den Tagen davor...

Ich kam mit der langen Steigung sehr gut zurecht. Als Flachländer  - der aber genau solche Abschnitte liebt … wenn sie denn komplett asphaltiert sind … - habe ich leider viel zu selten die Gelegenheit, mich in dieser Form auszutoben. Demzufolge können meine Voraussetzungen hierfür eigentlich nicht als besonders gut angesehen werden. Mental bin ich aber immer genau für solche Abschnitte so was von bereit und vor allem auch voller Vorfreude. 
...es läuft bei mir....(Foto vom Veranstalter).

Hinterher erfahre ich auch, dass genau in diesem Abschnitt zwei Läufer ärztliche Hilfe benötigten und mitgenommen werden. 
Ich nähere mich solchen Geschichten immer mit sehr viel Respekt, was schon durch das vorher Abfahren und (zum Teil) Ablaufen zum Ausdruck kommt. 
Eine Woche vor dem Lauf stieß ich in einem Shop in Sparta, der auch immer was für "den Spartathlon-Fan" zu bieten hat, unter anderem auf dies: "Es ist nicht der Berg, den wir bezwingen - wir bezwingen uns selbst." (Edmund Hillary). 

Ich dachte in den beiden langen Anstiegen öfter daran, konnte mir so immer wieder selbst ein inneres Lächeln abgewinnen ... und mit einem Lächeln geht ja bekanntlich alles leichter … : )) 
Der letzte VP vor dem höchsten Punkt des Laufs.

Um 8:41 Uhr erreichte ich den höchsten Punkt des Laufs. 
Bergfest! : )
Endlich hell, aber immer noch sehr kühl, 
vor allem wenn man(n) oder Frau die meiste Zeit
 mit Warten verbringt, so wie die vielen freiwilligen HelferInnen.
Zwischen dem Ersten und dem Letzten liegen am Ende über 8 Stunden. 
 

Mein Verdauungstrakt zwang mich hier oben zur zweiten und auch letzten etwas längeren Pause. Glücklicherweise hatte das Kafenion, vor dem der VP aufgebaut war, kurz zuvor geöffnet. Eine richtige Toilette ist nach über 13 Stunden Laufzeit ein Geschenk des Himmels! Zusätzlich hatte meine Frau dafür gesorgt, dass mein absolutes Lieblingsgetränk auf mich wartete. Im Kafenion konnte man auch griechischen Bergtee bestellen. Ich trinke ihn am liebsten mit viel griechischem Honig. Genau so hielt ihn meine Frau für mich bereit, als ich von der Toilette kam. Habe ich schon erwähnt, dass meine Frau die perfekte Supporterin für mich ist? : ))) 
Erleichtert und optimal gestärkt nahm ich nun den fast ebenso langen, fast ununterbrochenen Bergababschnitt in Angriff. 

Von Mystras bis zum höchsten Punkt war ich vom 17. auf den 12. Platz vorgelaufen. Meine Frau hielt mich auch was meine Platzierung betrifft auf dem Laufenden. Etwa neun Kilometer später war ich Neunter. 

Etwa ab Kilometer 115 war aus dem kühlen bis kalten Nachtlauf (von gefühlten 2-11°C), ein Lauf bei sommerlichen bis hochsommerlichen Temperaturen geworden - auf der einen Straßenseite. Auf der anderen Straßenseite konnte man, wenn man es denn wollte, immer noch ausreichend Schatten und dort dann auch wesentlich kühlere Temperaturen finden.
Etwa Kilometer 119, beim Abfahren einige Tage zuvor.

...gleiche Stelle.
Solche Eindrücke und Ausblicke boten sich den Läufern und ihren Supportern.

Etwa ab Kilometer 128 bis 132 wartet noch einmal eine richtig knackige Steigung, nachdem es von Kilometer 106,7 bis etwa 128 immer nur bergab geht. Diese letzte Steigung fährt einem jetzt natürlich, mit all den bereits gelaufenen Kilometern in den Beinen und noch dazu nach x Höhenmetern, vor allem aber nach dem sehr langen Bergabstück so richtig böse in die nun bereits stark strapazierte Oberschenkelmuskulatur. 
Die Serpentinen der letzten Steigung, fast alle auf einem Blick. 

Hier hilft es vor allem daran zu denken, dass es nur noch zehn Kilometer bis ins Ziel sind, hat man diese letzte Steigung erst einmal geschafft, und es geht dann bis zum Ortseingang von Kalamata wieder fast nur bergab.
VP 26, Kilometer 132, direkt am Ende der letzten Steigung. 
Erstmals ist auch Kalamata zu sehen....und...das Meer!

Die letzten zehn Kilometer lagen dann endgültig in praller Sonne. Kein Schatten mehr weit und breit. Kalamata ist auf den letzten zehn Kilometer fast ständig zu sehen … und … das Meer! Strahlend blau, strahlend schön! Aus der herrlichen griechischen Bergwelt zum Meer … was für ein Traumlauf!
Der letzte VP vor dem Ziel!

Dann die Ankunft in Kalamata! Zwei, drei Kilometer noch bis zum zentralen Platz. Immer mehr Menschen säumen die Straßen. Erster Applaus brandet hier und da auf, erste "BRAVO"-Rufe. Hübsche Frauen, Kinder, Greise lächeln mich an, winken mir zu. Es geht durch eine Fußgängerpassage, immer dichter das Gedränge der Flanierenden. Ich lasse mich von der fröhlichen, ausgelassenen Stimmung nur allzu gerne ablenken. Gerade als ich in Sorge bin, ob ich bei all den Menschen auf den Straßen die Markierungen für den Lauf noch rechtzeitig sehen werde, taucht ein etwa zehnjähriger Junge auf seinem Fahrrad vor mir auf. Der Junge lächelt und nickt mir zu, gibt zu erkennen, dass ich ihm folgen soll … Gänsehaut … Spartathlonfeeling, auch hier und jetzt … (beim Spartathlon begleiten die Kinder der Stadt die LäuferInnen von der Brücke über den Fluss Evrotas  bis zur Statue von Leonidas, als Eskorte, als 1. Ehrbekundung der Menschen von Sparta). Gleiches nun auch hier und für mich völlig unerwartet! Dann sehe ich ihn, den zentralen Platz von Kalamata, mit der Statue des Sieges, sowie den Statuen von Gregorios Dikaios (Papaflessas) und Theodoros Kolokotronis. 
Eine kleine Ehrenrunde noch (man läuft zunächst am Ziel vorbei, um nach ca. 100 Meter dann auf den Platz einzubiegen) und dann bin ich da! Chief-Organisator Pavlos steht am Mikrophon, beschallt den ganzen Platz mit seiner Stimme, erklärt den Menschen zunächst, auf Griechisch: "Hier kommt Mike Hausdorf, aus Deutschland!" … und dann ... auf Deutsch: "Guten Morgen Mike! Herzlich willkommen in Kalamata!" - Gänsehaut pur ... !!! Die Menschen in den Kaffees, auf den Bänken applaudieren mir, auch alle Läufer, die vor mir angekommen sind und immer noch alle da sind! Nur meine Frau ist nicht da ... . Einen Parkplatz in Kalamatas Zentrum zu ergattern ist ein Geduldsspiel, das hatten wir schon in den letzten Tagen erfahren müssen. Meine Laufzeit vom letzten VP bis ins Ziel reichte nicht aus zur Parkplatzfindung, damit meine Frau diesen so besonderen Moment eines Zieleinlaufs in Griechenland erneut hätte miterleben können. So bin ich zum ersten Mal in Griechenland im Ziel alleine, d.h. ohne meine bessere Hälfte, die sooo unfassbar viel zum Erfolg bei so einem Lauf beiträgt. Das Finisher-Glück ist - so - für mich nicht vollkommen. 10 Minuten später ist Natascha da, gerade als ich beginne mir Sorgen zu machen, ob vielleicht auf den letzten fünf Kilometern noch etwas mit dem Auto/im Verkehr passiert ist. Nun ist alles gut und wir können unseren gemeinsamen Erfolg nun auch gemeinsam genießen. Sehr schnell fällt jetzt alle Anspannung und alle Anstrengung von uns ab. Wir sind in Griechenland, im Ziel, was gibt es Schöneres?! 
Der Sieger brauchte 15:09:53 Stunden. Meine Zeit: 17:32:35 Stunden. Ortszeit: 12:34 Uhr. Ich komme als Neunter in die Wertung. Auch nach alterskorrigierter Wertung bleibt es beim neunten Platz. Letzteres freut mich sehr.
Wir erhalten den in Griechenland üblichen, reichlich gefüllten, Präsentbeutel, mit Kostbarkeiten aus der Region. Wieder frage ich mich wie das alles für 60,- Euro nur möglich ist.  Einige Zieleinläufe warten wir noch ab. Tauschen uns mit den Läufern und Supportern aus, beglückwünschen uns gegenseitig, machen die obligatorischen Fotos bei den Statuen des Sieges, dann wird es Zeit für uns, unser nahe gelegenes Quartier aufzusuchen. 
…geschafft! 

Duschen und dann noch Zeit für fast drei Stunden Schlaf bis zur Siegerehrung - phantastisch! Das Ziel bleibt offen bis 19 Uhr, unmittelbar danach begann die Siegerehrung. Bei der Siegerehrung erhalte ich meine bisher größte und schwerste Medaille und ich denke, dass wird sie wohl auch für lange Zeit bleiben, vielleicht auch für immer. Wir erfahren, dass Laufveranstaltungen zu organisieren nur das Hobby von Pavlos ist. Beruflich stellt er Medaillen und Pokale her... . 
Siegerehrung

Maße: Länge 13 cm, Breite 9 cm...

Gewicht: 280 Gramm...


...Teamwork...
...unser Schlüssel zum dadurch dann auch immer gemeinsamen Erfolg!

Super schicke und super  hochwertige Hoodies, für jeweils 25,- Euro. 
Die einzigen Souvenirs, für die man etwas zahlt - was wir hier sehr gerne taten!  

Mein Fazit: Ein Ultralauf den ich uneingeschränkt empfehlen kann! Besonders, wenn einen schon das Streckenprofil anspricht.

Für mich war es eine der vier schönsten und besten Laufveranstaltungen, an denen ich jemals teilgenommen habe. Alle vier Strecken stehen für mich auf einer Stufe, was die Schönheit betrifft. Alle vier Läufe finden in Griechenland statt und ich hoffe alle vier noch möglichst oft laufen und auch finishen zu können.
...alles meins... : )))

Ein paar Worte noch zur Spartathlon-Qualifikationsnorm bei diesem Lauf. Spartathlon-Qualifikationsnormen lassen sich immer schlecht vergleichen, ist sicher auch immer eine sehr individuelle Geschichte. Ich denke jedoch, es gibt weitaus leichtere Möglichkeiten, als bei diesem Lauf unter 18 Stunden (Männer) oder 19 Stunden (Frauen) bleiben zu müssen. 

Bei Aufbauwettkämpfen für den "Dromos Athanaton" habe ich die Spartathlon-Qualifikationsnorm über 100 Meilen und drei Wochen später in einem 24 Stundenlauf erfüllt, ohne mich dafür verausgaben zu müssen. Bei den 17:32:53h jetzt habe ich mich nicht geschont, sondern alles gegeben, denn der "Dromos Athanaton" war ja für mich ein Hauptwettkampf. Dass macht glaube ich deutlich, wie viel härter es ist, bei diesem Lauf die Spartathlon-Qualifikation zu schaffen. 

Als Möglichkeit zur  Spartathlon-Qualifikation taugt dieser Lauf - meiner Meinung nach - vor allem für LäuferInnen, die erst deutlich hinter der 100 Kilometermarke ihren sportlichen Wohlfühlbereich erreichen und Strecken mit ordentlich Höhenmetern gegenüber eher flachen Strecken immer bevorzugen würden. 




*Aufenthaltzeiten
Mit zu den kurzen Aufenthaltzeiten beigetragen hat sicherlich auch meine insgesamt - erstmals - eher spartanische Versorgung. Ich bezog erstmals fast komplett meine Energie aus flüssigen Kohlehydratbeuteln. Zweimal, bei Kilometer 60 und 80, nutzte ich ausgesprochen gerne das Angebot an heißen Suppen. Dazu, so oft es ging, das Angebot an heißem Tee in der Nacht. Zusätzlich hatte meine Frau noch heißen Tee in einer extra noch in Griechenland - nur wegen des Laufes - gekauften Thermosflasche dabei. Diese Anschaffung war Gold wert und natürlich auch wieder die Idee meiner Frau, genau wie der Kauf von flüssigen Kohlehydratbeuteln. Ich wollte eigentlich komplett auf die angebotene Versorgung setzen, nachdem ich zuletzt immer weniger Gebrauch von flüssigen Kohlehydratbeuteln gemacht hatte. Ausgerechnet bei diesem Lauf kam es nun aber ganz anders. Noch nie habe ich so viele dieser Beutel vertragen. Lag es daran, dass es welche waren, die in Griechenland hergestellt wurden? Da waren Geschmacksrichtungen dabei, die habe ich in Deutschland noch nirgends gesehen. "Erdbeere & Banane", "gesalzene Wassermelone" und das Gel "Kaffee" schmeckte auch nach Kaffee!

Bei Kilometer 125 und 132 war dann jeweils ein alkoholfreies Bier (… natürlich - dank meiner Frau - perfekt temperiert und auch noch im gekühlten Glas serviert ...) DIE Gabe schlechthin, zu diesem Zeitpunkt im Rennen und vor allem auch in DEM Teilabschnitt des Rennens, unmittelbar VOR und unmittelbar NACH der letzten langen Steigung.